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Forschungsprojekt

Zukunftschancen bedarfsgerechter Nahversorgung in ländlichen Räumen Niedersachsens - Das Forschungsprojekt ZukunftNAH

Zeitraum: 01.01.2012 - 31.12.2013

Das Forschungsprojekt, angesiedelt an der Fakultät für Architektur und Landschaft, Abteilung Planungs- und Architektursoziologie, wurde geleitet von Frau Prof. Dr. sc. techn. Barbara Zibell. Projektpartner war Prof. Dr. Javier Revilla Diez, Abteilung Wirtschaftsgeographie an der Naturwissenschaftlichen Fakultät. Es handelte sich um ein durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördertes „Innovatives Kooperationsprojekt“.

Anlass war der Rückgang des wohnortnahen Angebotes mit Waren des täglichen Bedarfs in ländlichen Räumen Niedersachsens und der damit verbundene Verlust an Lebensqualität, insbesondere für immobile Bevölkerungsgruppen, aber auch hinsichtlich der Attraktivität der Ortszentren als soziale Treffpunkte und Kommunikationsorte.

Ziel des Forschungsprojektes war es, Szenarien und Konzepte für innovative und nachhaltige Nahversorgungslösungen für ländliche Regionen im Strukturwandel zu entwickeln. Dazu wurden die wechselseitigen Wirkungen zwischen Nahversorgungsstrukturen, Raumsystemen und Einkaufsverhalten anhand von Beispielregionen aufgezeigt, analysiert und bewertet.

Für das transdisziplinär konzipierte Vorhaben wurden Kooperationen mit drei Landkreisen und siebzehn Kommunen aus sechs LEADER- bzw. ILEK-Regionen Niedersachsens (siehe Übersichtskarte) sowie einem großen und einem kleinen Unternehmen aus der Lebensmittelbranche eingegangen. Kooperation hieß dabei, nicht nur Beispielregion zu sein, sondern auch konstruktive Ideen und eigene Ressourcen für die Entwicklung möglicher Lösungsansätze einzubringen.


Abb. 1: KooperationspartnerInnen und Untersuchungsräume

 

Die Diversität der Landesteile mit ihren unterschiedlichen Ausgangslagen hinsichtlich Bevölkerungs-, Siedlungs- und Versorgungsstruktur sollte mit der Auswahl von drei zusammenhängenden Untersuchungsräumen im Norden, Westen und Süden des Landes abgebildet werden und eine differenzierte Sichtweise auf das Forschungsfeld der Nahversorgung ermöglichen.

Die drei relevanten Akteursgruppen, die aktiv auf die Versorgungsstruktur eines Raumes wirken - Gemeinden als Trägerinnen der kommunalen Planungshoheit, Unternehmen als Anbieter von Lebensmitteln und die Bevölkerung als nachfragende potentielle Kundschaft - wurden dabei in ihren Erwartungen und Bedarfslagen sowie strukturellen Zusammenhängen untersucht.

Informationen über den Ablauf des Projektes und eine Zusammenfassung der Veranstaltungen, die im Rahmen des Projektes durchgeführt wurden, finden Sie hier.

Ergebnisse, die zur Umsetzung einer zukunftsfähigen Nahversorgung beitragen können, wurden in Form einer Broschüre aufgearbeitet:

Module für Nahversorgungslösungen - Eine Handreichung

Nachhaltige Lösungsansätze für die Zukunft derNahversorgung – seien dies einzelne Projekte oder übergreifende Konzepte – folgen, gerade in ländlichen Räumen resp. schrumpfenden Regionen, immer weniger herkömmlichen Standards traditioneller Einzelhandelsunternehmen, sondern bedürfen – angepasst an die jeweilige lokale und regionale Situation – individueller, das heißt bedarfsgerechter, maßgeschneiderter und kontextspezifischer Ansätze. Das Forschungsvorhaben ZukunftNAH hat gezeigt, dass - angesichts wirtschaftlicher Konzentrationsprozesse und der vielfältigen Auswirkungen des demographischen Wandels - die Zukunft der Nahversorgung nicht nur in den Händen traditioneller Anbieterinnen und Anbieter von Gütern und Diensten des täglichen Bedarfs liegen kann, sondern auf mehrere Schultern unterschiedlicher Akteurinnen und Akteure verteilt werden muss.

Um die Entwicklung ortsspezifischer Lösungsansätze zu erleichtern, wurde im Rahmen des Vorhabens ein Baukasten aus drei x drei x drei Modulen entwickelt. Durch die freie Kombination der neun Module wird die Entwicklung innovativer und individueller Nahversorgungsansätze angeregt.

Unterschiedliche Faktoren des Handelns

Innerhalb des Forschungsvorhabens haben sich drei Aspekte, die die Nahversorgung maßgeblich beeinflussen, als besonders prägend herauskristallisiert:

  • der Raumbezug der Einzelhandelseinrichtung mit den unterschiedlichen Reichweiten fester und mobiler Formen zwischen stationär, mobil oder hybrid,
  • das Angebot bzw. der Nutzungsmix der Einrichtungen hinsichtlich Vielfalt an Gütern und Dienstleistungen von mono, mono+ bis multi(funktional) sowie
  • das Zusammenspiel der AkteurInnen, das die Qualität der Governance als unternehmerisch, kooperativ oder integrativ beschreibt.

Die Handreichung soll Denkanstöße für mögliche Modelle in ländlichen Kommunen unterstützen. Durch die Vielzahl der möglichen Zusammensetzungen und der individuellen Handhabung sowie der Darstellung von Beispielen soll sie den Gemeinden wie allen anderen potentiellen Akteurinnen und Akteuren eine Hilfestellung bieten, die für sie „richtige“ Lösung zu entwickeln. Anhand von Überlegungen, welche Art der Nahversorgung am eigenen Ort sinnvoll sein könnte, liefert diese Handreichung Ideen, welche Lösung bzw. welches Konzept im Einzelfall möglich wäre.

Detaillierte Erläuterungen zu den Modulen und Bausteinen sowie eine anschauliche Darstellung von Beispiellösungen zu allen Modulzusammensetzungen finden sich unter DOWNLOAD.

Ergebnisse und Erkenntnisse des Forschungsvorhabens

Seit Frühjahr 2014 liegen alle Ergebnisse zusammengefasst in Form eines Abschlussberichtes vor. Der ZukunftNAH Abschlussbericht 03_2014 kann hier eingesehen und heruntergeladen werden.

Über die Ergebnisse und Erkenntnisse der Forschungsarbeit wurde projektbegleitend durch das Forschungsteam auf folgenden (Fach)Veranstaltungen mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten berichtet:

  • „Zukunftschancen bedarfsgerechter Nahversorgung in ländlichen Räumen Niedersachsens“
    Zibell / Heineking / Preuß auf dem RegionalplanerInnentag in Soltau am 07.11.2012
  • „Zukunftschancen bedarfsgerechter Nahversorgung in ländlichen Räumen Niedersachsens“
    Heineking / Bloem beim Handels-Dialog in Lüneburg am 23.05.2013
  • „Zukunftschancen bedarfsgerechter Nahversorgung in ländlichen Räumen Niedersachsens“
    Revilla Diez / Sohns bei der Handwerkskammer Hildesheim am 30.09.2013
  • „Zukunftschancen bedarfsgerechter Nahversorgung in ländlichen Räumen Niedersachsens“
    Heineking / Preuß beim Planerstammtisch der Vereinigung der Stadt-, Regional- und Landesplanung SRL e.V. in Hannover am 01.10.2013
  • „Ergebnisse der Studie ZukunftNAH“
    Heineking / Bloem auf der Fachtagung „Hackenporsche 2.0“ des Landesinitiative Nds. Generationengerechter Alltag (LINGA) Versorgung und Mobilität im ländlichen Raum in Oldenburg am 29.10.2013
  • „Neue Konzepte für die Nahversorgung“
    Heineking; Beitrag zur Podiumsdiskussion der Region Hannover in Hannover am 05.11.2013
  • „Nahversorgung und Raumentwicklung. Ergebnisse eines Forschungsvorhabens“
    Zibell beim Fachkongress der Nds. Raumordnungspolitik in Hannover am 06.11.2013
  • „Ergebnisse der Studie ZukunftNAH“
    Heineking beim Arbeitskreis Demographie des Landkreises Emsland, Sögel am 28.11.2013
  • „Ergebnisse der Studie ZukunftNAH“
    Heineking / Sohns beim Raumordnungsforum „Stabile Ortskerne 2.0“ bei der Nds. Industrie- und Handelskammer, Hannover am 05.12.2013
  • „Nahversorgung in ländlichen Räumen. Auf der Suche nach Wegen für eine nachhaltige Sicherung der Daseinsvorsorge“
    Zibell / Heineking auf der Dortmunder Konferenz Daseinsvorsorge in der Raumplanung am 13.02.2014
  • „Räume der Zukunft: Wie wollen wir leben?“
    Zibell auf dem Demografiekongress der Landesregierung Niedersachsen 2030 am 17.02.2014.

 

 

Veranstaltungen im Rahmen des Forschungsprojektes (Meilensteine)

M1_Auftaktveranstaltung am 03.02.2012 in Hannover

Den gemeinsamen Projektstart bildete am 03.02.2012 die Auftaktveranstaltung mit allen Projektbeteiligten in Hannover. Nach der persönlichen Vorstellung der Teilnehmenden sowie der Erläuterung des Projektes durch das Forschungsteam wurde in Zusammenarbeit mit den KooperationspartnerInnen die gemeinsame Ausgangslage für das Forschungsprojekt definiert. Ergebnisse sind einzusehen.

M2_Zwischenforum am 16.07.2012 in Osnabrück: Ergebnisse - Einschätzungen – Perspektiven

Die Ergebnisse der Interviewphase, in der die strukturellen Rahmenbedingungen der Versorgungslage in den Gemeinden und bei den Unternehmen erfragt wurde sowie die Ergebnissen der Bestandsaufnahme der Versorgungseinrichtungen in den Untersuchungsgebieten, wurden als Basis für die Stärken und Schwächen-Analyse genutzt. So konnte auf dem Zwischenforum bereits eine erste Auswertung präsentiert werden.

M3_Impulsforum am 13.02.2013 in Hannover: Chancen – Risiken – Erfahrungen 

Zu Beginn der dritten Veranstaltung wurden die Ergebnisse der Auswertung aus den einzelnen Kooperationsgemeinden zusammengefasst vorgestellt. Diese beinhalten die jeweiligen Potenziale und Herausforderungen sowie die resultierenden Strategien in Bezug auf demografische Veränderungen, Siedlungsentwicklung, Perspektiven des Lebensmitteleinzelhandels und potenzielle Erreichbarkeit der Standorte unter Einbezug des Mobilitätsverhaltens der Bevölkerung sowie des bürgerschaftlichen Engagements.

Im Rahmen des Themenkomplexes Mobilität wurde ein Einblick in die Analyse von Geoinformationsdaten gegeben. Diese zeigt Wegestrecken und Entfernungen zwischen einzelnen Wohnadressen und den vorhandenen Versorgungseinrichtungen und verdeutlicht die Erreichbarkeitsproblematik der Geschäfte im ländlichen Raum.

Wichtiger Teil der Veranstaltung waren konkrete Modelle und Konzepte für Nahversorgungslösungen, die durch drei Impulsreferate von ExpertInnen der Nahversorgung praxisnah dargestellt wurden:

1. Heinz Frey, Geschäftsführer der DORV Zentrum GmbH, stellte sein Konzept „Dienstleistung und Ortsnahe Rumdum Versorgung“ vor

2. Hans-Heinrich Lemke, Inhaber von „Lemke’s Rollender Supermarkt“, berichtete über sein Geschäftsmodell der mobilen Dienste im Raum Göttingen

3. Natalie Holm und Bernhard Siemer präsentierten ihre inhabergeführten dörflichen Filialen des MARKANT-Marktes SIEMER in Lorup im Emsland anhand eines Kurzfilmes.

Als wichtiger Baustein des Forschungsvorhabens wurden im Sommer 2013 im Rahmen eines studentischen Projektes an der Abteilung Wirtschaftsgeographie in sechs Kooperationsgemeinden Haushaltsbefragungen zum Einkaufsverhalten, zur Zufriedenheit mit der Versorgungssituation und zum Engagement der Bevölkerung durchgeführt. Insgesamt wurde das Einkaufsverhalten von fast 800 Personen erfragt.

Gleichzeitig arbeiteten Studierende der Abteilung Planungs- und Architektursoziologie an zukunftsfähigen Konzepten für Nahversorgungslösungen.

Die Ergebnisse der studentischen Arbeiten wurden auf der Abschlusskonferenz am 22.11.2013 vorgestellt.

M4_Als weiterer Meilenstein fanden im Sommer 2013 sog. Regionale Foren zu den unterschiedlichen Themenschwerpunkten – Demographie, Governance und Mobilität -  in allen drei Untersuchungsräumen statt.

Die Foren wurden vor Ort genutzt, um die Bevölkerung einzubinden und ihnen anhand von Wandzeitungen und Vorträgen Nahversorgungslösungen aus ihrer Region näher zu bringen und auf ihre Orte übertragbar zu machen. Insgesamt nahmen gut 150 Personen diese Gelegenheit wahr.

M5_Abschlusskonferenz am 22.11.2013 in Hannover: Ergebnisse eines Forschungsvorhabens

Am 22. November 2013 wurde die Abschlusskonferenz des Forschungsprojektes „ZukunftNAH - Zukunftschancen bedarfsgerechter Nahversorgung in ländlichen Räumen Niedersachsens“ durchgeführt. Die öffentliche Konferenz war mit 54 auch externen TeilnehmerInnen gut besucht. Zu Beginn der Konferenz standen zwei einführende Referate von NahversorgungsexpertInnen aus Hannover, die ihre Sicht aus übergeordneter Position zu den Themen „Nahversorgung als Teil der Daseinsvorsorge“ und „Nahversorgung als unverzichtbarer Bestandteil der Lebensqualität“ darstellten. Im Anschluss daran erläuterte das Forschungsteam, seine aktuellen Forschungsergebnisse. Den Nachmittag prägte eine Posterausstellung mit guten Beispielen innerhalb der Nahversorgung, studentischen Arbeiten sowie eine Zusammenfassung der Ergebnisse der Haushaltsbefragung und die Präsentation der Handreichung „Module für Nahversorgungslösungen“. Abschließend  wurde in einer Gesprächsrunde mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Politik/Verwaltung und Wissenschaft im Kleinen Foyer der Fakultät für Architektur und Landschaft über zukunftsfähige Strategien diskutiert.

Die Förderung des Forschungsprojektes wurde mit Ablauf des Jahres 2013 beendet.

Ansprechpartnerin ist Dipl. Geographin Ingrid Heineking (Tel: 0511-762.3484 / Email: i.heinekingigt-arch.uni-hannover.de)

Presse

- Neue OZ online, 21.07.2012, "Wittlager Land ist Referenzregion bei Forschungsprojekt"

- Kastanienblatt, 26.07.2012, „Zukunft im Blick – Zwischenstand Forschungsprojekt 
  ZukunftNAH

- Wesermarsch und Region, 30.03.2012, „Zum Einkaufen ins Nachbardorf“
-  Neue Zeitung zum Mitmachen, 14.02.2012, "LEADER Region Hümmling an For-                      schungsprojekt zum Thema Nachversorgung beteiligt"
-  Nordwest-Zeitung, 14.02.2012, "Zukunft der Nahversorgung im ländlichen Raum"
-  Neue OZ online, 14.02.2012, "Einzelhandel zurück aufs Land holen"