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Abstract _ Felix Hoepner

Stadt und Sicherheit.
Defensible Space, Collage City und die Wiedereroberung des Urbanen


Stadt und Sicherheit als Diskursfelder verschiedener Disziplinen stehen heute im Blickpunkt zentraler Debatten um die Zukunftsfähigkeit von Mensch und Umwelt. Dabei stellten im Laufe des 20. Jahrhunderts Gefahren durch Kriminalität und Terrorismus, wie der mit der fortschreitenden Industrialisierung und Globalisierung verbundene Wandel von Institutionen und Werten die Stadt selbst als sicheres Zuhause teilweise in Frage. Mit Blick auf die westlich-international in den 1970er Jahren einsetzenden gesellschaftlichen Umbrüche und verstärkten Erfahrungen von Sicherheits- und Orientierungsverlust, fragt die Arbeit nach Ursachen, Bedingungen und Wirkungen der Suche nach Sicherheit durch neue Konzepte in Architektur und Städtebau. Die Dissertation nimmt die Herausbildung einflussreicher Leitbilder städtischer Architekturen um 1970 in den Blick, die um Fragen der Urbanität kreisend eine Neubewertung von Qualitäten der alten europäischen Stadt einleiteten. Eine kritische und kontextuelle Case Study-Untersuchung der einflussreichen Publikationen 'Defensible Space' (Oscar Newman, 1972) und 'Collage City' (Colin Rowe/Fred Koetter, 1978) beleuchtet Zusammenhänge zwischen gewandelten Sicherheitsbedürfnissen und einer Hinwendung zu Fragen der Stadtgestalt sowie ihre Auswirkungen auf zeitgenössische Diskurse und architekturbezogene Praktiken.

Gemeinsam ist den Konzepten ihr Zweifel am Fortschritts- und Technikoptimismus der vorangegangen Jahrzehnte verbunden mit der Überzeugung, dass architektonische und städtebauliche Strukturen zu positiver Identitätsbildung beitragen können. Ausgehend von interdisziplinär angelegten, empirischen Forschungen an der New York University richtete sich der Blick des kanadisch-amerikanischen Architekten Oscar Newman (1935-2004) auf eine kriminalpräventive Gestaltung von städtischen Wohnquartieren, die sich unter anderem im Rückbezug auf natürliche anthropologische Mechanismen äußerte. Die städtebauliche Entwurfslehre des britisch-amerikanischen Architekten Colin Rowe (1920-1999) an der Cornell University fokussierte dagegen stärker auf die Bedeutung baulich gefasster Stadträume nach dem Vorbild alter europäischer Städte. Mit Blick auf die Stadt New York gelingt es Newman und Rowe, aus der Untersuchung gebauter architektonischer Strukturen Erkenntnisse über die Wirkung räumlich-kontextueller Bezüge zu gewinnen, sowie Qualitäten unterschiedlicher städtischer Texturen aus sozialräumlicher wie phänomenologischer Perspektive zu analysieren und mit Blick auf vielschichtige Aspekte von Sicherheit zu problematisieren. Architektonisch-städtebauliche Lösungen, die Qualitäten unterschiedlicher Stadtmodelle miteinander verbinden, deuten sich in ihren Arbeiten beispielsweise in Form ‚hybrider Ensembles’ an, die Block und Hochhaus auf verschiedene Weise miteinander kombinieren. Ihr Motiv, einfache Gegensätze von 'Tradition' und 'Fortschritt' zu überwinden, macht 'Defensible Space' und 'Collage City' - jenseits heute verbreiteter Rezeptionen – zu einem wertvollen Impuls für architekturbezogene Praktiken und zeitgenössische Diskurse über urbane Architektur in lokalen und globalen Kontexten.

 

Felix Hoepner, Stadt und Sicherheit. Architektonische Leitbilder und die Wiedereroberung des Urbanen: 'Defensible Space' und 'Collage City', Bielefeld: transcript 2015

 

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