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Abstract _ Laura Kienbaum

Stadt : Seilbahn : Architektur.
Entwurfsbausteine und Gestaltungszusammenhänge

Luftseilbahnen spielen bei der Entwicklung innerstädtischer Transportsysteme eine zu­nehmend wichtige Rolle. Sie können auf Mobilitätsbedürfnisse in unterschiedlichen Kontexten reagieren und eine sinnvolle Ergänzung im städtischen Personennahver­kehr darstellen. Aus Sicht der Architektur gilt es dabei zu befragen, wie eine solche ‚Maschine‘ in die Stadt implementiert werden kann. Die Arbeit untersucht, welche gestalterischen Spielräume im Entwurf von Seilbahnanlagen existieren und welche Potentiale mit einer architektonischen Implementierung in Stadtquartiere verbunden sind. Das übergeordnete Ziel ist es, mit unterschiedlichen Mitteln die Produktion und Rezeption von städtischen Seilbahnarchitekturen als Grundlage und Hintergrund ent­werferischen Handelns zu untersuchen und die Relevanz ihrer Gestaltung zu vermit­teln. Als architekturimmanentes Werkzeug hat die Zeichnung dabei eine besondere Rolle - sie dient sowohl der Untersuchung als auch der Vermittlung von Entwurfszusammenhängen.

 

AUFBAU UND METHODIK

In der Tradition einer phänomenologisch-hermeneutischen Forschungsmethode wur­de das Thema in mehreren Schritten - sprachlich und grafisch - bearbeitet. Nach Klärung der Fragestellung lässt sich die Arbeit in drei Hauptbereiche einteilen, die das Verhältnis von Seilbahn und Stadt, das Verhältnis von Seilbahn und Architektur und das Verhältnis von Seilbahn und Gestaltung behandeln. In einer anschließenden Synthese werden einzelne Ergebnisse in einem erweiterten Forschungskontext reflek­tiert. Die drei Hauptbereiche unterscheiden sich in ihrem Fokus wie auch in ihrer Methodik:

Der erste Teil der Arbeit bildet den Forschungshintergrund und stellt Beobachtungs­größen zu städtischen Infrastrukturen heraus. Anhand von Literaturanalysen wird die Entwicklung von städtischen Seilbahnen behandelt, einschließlich ihrer Zusammen­hänge mit gesellschaftlichen Veränderungsprozessen und damit verbundenen ästhe­tischen Dimensionen.

Um die Bau- und Entwurfsaufgabe besser beschreiben zu können, werden danach architektonische Ausprägungen sowie technische und programmatische Anforderun­gen an Seilbahnstationen erarbeitet. Es werden hier mehrere Stationen aus verschiedenen Entstehungszeiten und -kontexten herangezogen. Dieser Teil der Arbeit stellt typologische Prinzipien heraus, die in drei Entwurfsbausteinen zusammengefasst werden. Anschließend findet eine gestaltungs- und kontextbezo­gene Untersuchung an drei ausgewählten ‚Case Studies‘ statt. Im Ergebnis werden verschiedene Bereiche der architektonischen Wirkung diskutiert.

 

ERGEBNISSE

Aufbauend auf den ersten Teil der Arbeit, der eine abstrakte Annäherung an die Wirkung von Infrastrukturen als Objekte und ihre materielle Präsenz darstellt, werden im zweiten Teil die Entwurfsbausteine - Hülle, Weg und Programm - anhand von kon­kreten Seilbahnarchitekturen erarbeitet. Die drei Bausteine sind kontextunabhängig und ermöglichen dadurch einen relativ objektiven Vergleich und die Skizzierung der Entwurfsaufgabe. Sie beschreiben elementare Planungsbereiche einer Seilbahnsta­tion, beinhalten aber gleichzeitig enorme Gestaltungsspielräume, um auf konkrete Standorte zu reagieren. In der Analyse der Case Studies werden dann sowohl die vielfältigen Umgangsweisen mit den Entwurfsbausteinen als auch unterschiedliche Strategien der Implementierung sichtbar. Gleichzeitig lassen sich architektonische Wirkungsbereiche herausstellen, die für alle drei Seilbahnen Gültigkeit besitzen. Dies sind der Prägnanzgrad der Seilbahnanlage und ihrer Bauten im städtischen Raum, die Schwellenausbildung zwischen Stadt- und Seilbahnraum sowie die Gebrauchskapazität und damit die Möglichkeit der freien Aneignung der Bauten. Die Wirkungsbereiche haben Einfluss auf die Implementierung in die jeweiligen Stadtkontexte: ihr Wirkungsgrad kann durch die gestalterische Ausformulierung aller drei Entwurfsbausteine – unab­hängig oder wechselseitig – beeinflusst werden. Die drei Wirkungsbereiche sind ge­eignet um gestalterische Zusammenhänge von Seilbahnarchitekturen, Anforderungen an und Bewertungen von entsprechenden Bauten zu strukturieren. Insgesamt bilden die gewonnenen Erkenntnisse eine notwendige Grundlage für die Implementierung von Seilbahnen in städtische Kontexte und können generell dabei helfen, ästhetisch-gestalterische Werte für Infrastrukturen in der Stadt zu entwickeln.

 

Die Untersuchung enthält textliche und zeichnerische Bestandteile. Insbesondere in Bezug auf eine fortwährende Suche nach geeigneten Methoden der entwurfsbezo­genen Architekturforschung testet die Arbeit Zeichnungen als Forschungsinstrument und verdeutlicht dabei, dass die Zeichnung ein geeignetes Mittel darstellt, um kom­plexe Gestaltungszusammenhänge zu analysieren und gleichermaßen anschaulich zu vermitteln.



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