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Abstract _ Nadine Haepke

Sakrale Inszenierungen in der zeitgenössischen Architektur

Die Beobachtung, dass sakral anmutende, inszenatorische Überhöhungen unsere gegenwärtige (europäische) Alltagswelt in zunehmendem Maße bestimmen, während gleichermaßen die Säkularisierung zunimmt und ein Großteil der Kirchen vom Leerstand und Abverkauf bedroht ist, bildet den Ausgangspunkt der Forschungsarbeit „Sakrale Inszenierungen in der zeitgenössischen Architektur“. Untersucht werden Raum-Qualitäten und -Eigenschaften von sakralen und nicht-sakralen Räumen in der zeitgenössischen Architektur, die als ausgenommene Orte mittels konstituierter Anmutungsqualitäten und Atmosphären den Menschen vom Alltagsleben her zu distanzieren vermögen.

Es ist ein Anliegen der Arbeit, den architektonischen Wechsel sakraler Raum-Charakteristika in die Profanarchitektur aufzuzeigen und darzustellen, wie mittels einer nicht sakral geprägten Architektur eine architektonische Ausdrucks- und Wirkungsintensität erzeugt werden kann, die der eines Sakralraumes gleichkommt. In Bezug auf die Architekturtheorie versucht die Arbeit den derzeitigen Kenntnisstand über differenzierte Raumeigenschaften und Erzeugungsstrategien architektonischer Räume auszuweiten, da sie ein grundlegendes Anliegen der Architektur betreffen: das Zusammenwirken materieller und immaterieller Raumeigenschaften unter Berücksichtigung sowohl der Wechselbeziehung von Subjekt und Objekt als auch der im Subjekt evozierten Raumwahrnehmung.
Fokussiert auf westliche Architektur im europäisch-christlichen Kontext und geleitet von den Bemühungen um eine qualitative Bestimmbarkeit sakraler Inszenierungen, eruiert die Arbeit – an der Schnittstelle von Architektur, Religionsphänomenologie, Theater- und Kulturwissenschaften – zunächst die Begriffe „Sakralität“ und „Inszenierung“, um in einem zweiten Schritt zu klären, was nach zeitgenössischem Verständnis eine „Sakrale Inszenierung“ ausmacht und welche Folgerungen sich hieraus für die architektonische Gestaltung ergeben: Verschiedene räumliche und inszenatorische Charakteristika bilden einen Untersuchungshintergrund, anhand dessen je ein sakrales und ein nicht-sakrales Gebäude des britischen Architekten John Pawson, des Deutschen Peter Kulka und des Schweizers Peter Zumthor analysiert und vergleichend gegenübergestellt werden. Abschließend werden spezifische Raum-Eigenschaften „sakraler Inszenierungen“  herausgearbeitet, um darzulegen, weshalb auch nicht-sakrale Projekte als „sakral inszeniert“ verstanden werden können bzw. was es ist, das eine Raumkomposition zu einer sakralen Inszenierung macht.
Zudem werden entwurfs- und praxisrelevante Möglichkeiten für das architektonische Entwerfen bzw. praktische Anwendungsgebiete aufgezeigt, für die die Arbeit ein Ausgangspunkt sein kann.

 

Nadine Haepke, Sakrale Inszenierungen in der zeitgenössischen Architektur. John Pawson - Peter Kulka - Peter Zumthor, Bielefeld: transcript 2013



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