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Abstract _ Steffen Boesenberg

Plastizität: Architektonisches Merkmal und Strategie urbaner Industrie- und Infrastrukturkonversionen

Architektur als Plastik: formbar, fragmentarisch, unfertig. Die fortschreitende Beschleunigung der Veränderung urbaner Habitate fordert die Architektur heraus, sich mit ungewöhnlichen Typologien und Strukturen im urbanen Kontext auseinanderzusetzen. Industrielle Bauten und technische Infrastrukturen kollidieren mit kontemporären und vermeintlich althergebrachten Vorstellungen von Urbanität. Gleichzeitig befördern die globale Landflucht und der Wandel ins Informationszeitalter die Suche nach baulicher Verdichtung und neuen Typologien. Die Arbeit versucht sich diesen baulichen Aufgaben zu nähern und bisherige Strategien im Umgang mit Konversion zu hinterfragen, aufzugreifen und transferfähig zusammenzubringen. Von der Transformation der Markthalle zum Kirchentypus, über stadtmorphologische Konzepte des späteren 20. Jahrhunderts bis hin zu kontemporären Ansätzen werden dabei verschiedene Positionen zu einer geometrischen Lesart von Architektur untersucht. Welche Konzepte können hier für industrielle Strukturen abseits eines industrieromantischen Verständnisses gefunden werden? Welche Kontinuitäten finden sich anhand anderer Typologien in der Geschichte der europäischen Stadt? Welcher Qualitätsgewinn kann in einer solchen Betrachtungsweise gefunden werden?

Als Arbeitsmaterial spielt dabei der Begriff der Plastizität eine zentrale Rolle. Wird er im architektonischen Diskurs eher landläufig verwendet, finden sich in anderen Wissenschaften komplexere und spezifische Definitionen. Ihnen ist gemein, keinen Zustand, sondern einen Prozess zu beschreiben, wie es der Wortsinn des Plastischen, also des „Geformten“, beinhaltet. Ein Prozess ohne Idealzustand, doch mit situativer Logik. Eine architektonische Definition soll hier bedeuten, diese situative Logik als räumliche Logik zu verstehen.

Mit dieser Fokussierung kann ein spezifischer raummorphologischer Beitrag zur kontemporären Aufgabe postindustrieller Transformation geleistet werden. Strategien der Plastizität sollen im besten Fall dazu beisteuern, vorhandene Strukturen als architektonische Ressource zu verstehen. Dies kann als gestalterische Nachhaltigkeit verstanden werden, welche nicht nur das Feld der Konversion betrifft, sondern ebenso die Konzeption neuer Architektur als anpassungsfähige - also plastische - Struktur.

In drei Schritten versucht sich die Arbeit diesen Themen zu nähern. Zum einen wird sich dem Komplex aus Stadtmorphologie, Raumwahrnehmung und Urbanitätskonzepten mit einem Fokus auf räumliche Lesarten von Architektur theoretisch angenähert. In Rückkopplung hierzu werden anhand von gebauten Fallbeispielen Merkmale, Strategien und Untersuchungsinstrumente untersucht. In der Synthese dieser theoretischen und praktischen Bausteine sollen dann entwurfsmethodische Ansätze gefunden werden, die u.A. in Testentwürfen quasi-experimentell evaluiert werden. Ziel des Vorhabens ist, die morphologischen Zusammenhänge, die unter dem Begriff Plastizität untersucht werden, zu transferfähigen Erkenntnissen zu synthetisieren.

 

 

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