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Abstract _ Valerie Hoberg

Eduardo Chillida und die Architektur
Relationen von Kunst und Architektur

Vitruv nennt die Architektur 'die Mutter aller Künste' - Adolf Loos hingegen schreibt darüber, weshalb Architektur keine Kunst sei. Wenngleich sich auch Manifeste zur Zugehörigkeit je nach epochaler Gesinnung wandeln, so kann unbestritten konstatiert werden, dass Architektur und bildende Kunst wenigstens bis zur klassischen Moderne eine parallele Entwicklung durchlaufen. Und wenngleich seit Einsetzen der Pop Art sowie der Postmoderne Architektur und Kunst immer seltener offensichtliche, formal repräsentierte Berührungspunkte finden, bleiben Verwandtschaften und Bezugnahmen in beiden Disziplinen auf die jeweils andere bestehen. Sowohl Architekten wie Max Bill, Herzog & de Meuron oder Diller Scofidio + Renfro, als auch Künstler wie Donald Judd, Richard Serra oder Dan Graham haben Transformationen bestimmter Aspekte aus der jeweils anderen Disziplin als zentrales Element ihrer Grundkonzeptionen definiert und ziehen aus diesen Grenzüberschreitungen essentielle Einflüsse für ihr Schaffen.

Die Arbeit will das mögliche Spektrum der Analogisierungen beispielhaft an der künstlerischen Position des baskischen Bildhauers Eduardo Chillida und verschiedenen, daraus transferierten Aspekten innerhalb unterschiedlicher zeitgenössischer Architekturkonzeptionen aufzeigen, um daraus Strategien für potentielle Übertragungen anderer künstlerischer Positionen zu generieren.

Chillidas künstlerisches Werk, welches neben seiner bildhauerischen Tätigkeit auch umfassende graphische und malerische Arbeiten aufweist, eignet sich durch seinen signifikanten Personalstil geradezu ideal für Übertragungen in die Architektur:
In differierenden Maßstäben, unter dem Einfluss von Licht, Schatten und Material, ergründet Chillida stets erneut die notwendige Proportion von umhüllendem zu umhülltem Volumen, um der Frage nach der Schaffung des Raumes möglichst nahe zu kommen. Sein Wirken als selbstbezeichneter 'Architekt der Leere' stellt also bereits einen Transfer der Architektur in die Kunst dar. Die in verschiedenen Fallbeispielen zu untersuchenden Architekturkonzeptionen stellen Invertierungen dieses Prozesses dar und beleuchten die jeweiligen Transformationen formaler Aspekte, künstlerischer Strategien und Arbeitsmethoden von Chillidas Position in die Architektur.

Damit wird einerseits das Ziel verfolgt, im Sinne eines Architekturverständnisses, welches über die reine Umhüllung alltäglicher Lebensbedürfnisse hinausgeht und die Gestaltung eines Gebäudes ebenso als eine seiner Funktionen ansieht, in den Transferierungen Potentiale für gesteigerte Raumqualitäten zukünftiger Architektur zu erschließen. Die Kunst könnte dabei einerseits Strategien liefern, zu architektonischen Fragestellungen wie der Verortung, der Programmorganisation oder der Inszenierung zielgerichtete entwerferische Reaktionen zu finden. Andererseits scheinen sich über die Auseinandersetzung mit der Methode des Transfers disziplinfremder Aspekte auch Potentiale zur Explikation des oft wenig nachvollziehbaren architektonischen Entwurfsprozesses abzuzeichnen.

 

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