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Abstract _ Eva Holtz

Lernen von Baumschlager Eberle

Seit der Gründung in den 1980er-Jahren beschäftigt sich das österreichische Architekturbüro Baumschlager Eberle mit relevanten und auch zukunftsweisenden Themen der Architekturdisziplin und prägt damit die Wahrnehmung der Region Vorarlberg im internationalen Architekturkontext. Die Themen zeigen sich sowohl in der Gestaltung der Architektur und in den Forschungsschwerpunkten des Büros als auch in der Grundhaltung und sind damit von Bedeutung für Genese und Umsetzung von Architekturen sowie für den theoretischen Diskurs. Im Fokus der Promotion stehen Nachhaltigkeitsverständnis, Haltung zum und der Umgang mit dem Ort sowie die rationale Arbeitsweise. Diese im Denken und Schaffen von Baumschlager Eberle zentralen Aspekte aufzuzeigen, zu diskutieren und zu kontextualisieren ist eines der primären Anliegen der Promotion, um aus den Erkenntnissen dann relevante Entwurfsbausteine bzw. -strategien entwickeln zu können.

Das Architekturbüro Baumschlager Eberle wurde 1985 von Carlo Baumschlager und Dietmar Eberle in Vorarlberg, Österreich gegründet. Es realisierte zunächst hauptsächlich Wohnungsbauten, später kamen dann Gewerbe- und Bürobauten bis hin zum Hochhaus und andere Großprojekte wie zum Beispiel ein Verwaltungsgebäude der UN oder Universitätsbauten hinzu. 2010 verlässt Carlo Baumschlager das Büro, welches gegenwärtig circa 135 Mitarbeiter und zehn Standorte international vorweisen kann. Er arbeitet seit dem mit Jesco Hutter als Baumschlager Hutter an eher kleineren und regionaleren Projekten als das international agierende Büro Baumschlager Eberle. Neben der planerischen Praxis sind Carlo Baumschlager und Dietmar Eberle seit den 1980er-Jahren auch in der Lehre und Theorie tätig: Baumschlager ist seit 2007 nach verschiedenen Lehraufträgen Professor für Architektur und Städtebau an der Akademie der Bildenden Künste in München; Eberle ist seit 1999 nach diversen Lehrtätigkeiten Professor für Architektur und Entwerfen an der ETH Zürich. Besonders Eberle befasst sich als Universitätsprofessor aber auch als Leiter des Architekturbüros mit Forschungsfragen zur Architekturlehre, zur baulichen Dichte sowie zur Energieoptimierung und gab dazu Veröffentlichungen heraus.

Carlo Baumschlager und Dietmar Eberle haben eine Arbeitsweise entwickelt, bei der die Entwurfsschritte als Kapitel eines Buches abgewickelt und archiviert werden. Damit stehen bereits erprobte Lösungen für folgende Projekte zur Verfügung und können wiederverwendet bzw. weiterentwickelt werden. Die Analyse des Ortes beziehungsweise des Standortes ist der erste Schritt, dem sich das Büro bei einer neuen Entwurfsaufgabe widmet. Die ersten Gebäude des Büros entstanden in Vorarlberg, mittlerweile agieren sie weltweit. An jedem Ort gilt es, laut Dietmar Eberle, auf die Kultur einzugehen und ihre Eigenarten zu verstehen. Auf die Analyse des Ortes folgen die Beschäftigung mit dem Städtebau, der Konstruktion und der Hülle. Erst im fünften Schritt wenden sich die Architekten der Funktion des Bauwerkes zu, um so eine Neutralität der entstehenden Bauten zu gewährleisten und damit einen nachhaltigen Beitrag zur Baukultur zu leisten. Nachhaltigkeit verstehen sie über energetische Aspekte der Bauten hinaus auch als einen sozialen, kulturellen und ästhetischen Beitrag zur gebauten Umwelt. Dabei spielt die genannte Neutralität und eine Dauerhaftigkeit auch im Sinne einer langlebigen Akzeptanz eine besondere Rolle.

Ziel der Promotion ist es, zu kommunizieren, wie Baumschlager Eberle Architektur denken und gestalten, dabei soll die Arbeit zu einem größeren Verständnis des Büros bzw. der biographischen Disposition der Akteure, den Tätigkeiten und der Herangehensweise sowie der Haltung beitragen. Es soll vor allem die Frage diskutiert werden, was die Architekturdisziplin für die Gestaltung der Umwelt bzw. das Schaffen von Architektur von Baumschlager Eberle lernen kann. Lernen ist dabei nicht im Sinne von Kopieren oder Abgucken zu verstehen. Es geht vielmehr darum Entwurfsbausteine bzw. -strategien herauszuarbeiten, die übertragbar sein können und damit Impulse für zukünftige Gestaltungen geben können.

 

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