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Forschungsprojekt

Soziale Innovation als Bestandteil einer zukunftsfähigen Daseinsvorsorge am Beispiel ländlicher Räume in Niedersachsen

Innovatives Kooperationsprojekt der Leibniz Universität Hannover mit fünf niedersächsischen Kommunen unter Leitung von Prof. Dr. Barbara Zibell
Wiss. Mitarbeit: Dipl.-Geogr. Ingrid Heineking (Projektkoordination), M.Sc. Anne Finger
Zeitraum 01.01.2017 – 31.12.2018
Europäischer Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE)

Das Forschungsvorhaben zielt auf die Entwicklung, Stabilisierung und Anpassung der Daseinsvorsorge in ausgewählten ländlichen Räumen unter Berücksichtigung der spezifischen Herausforderungen des demografischen Wandels. Der Fokus auf soziale Innovation weitet dabei den Blick, birgt neue Erkenntnisse und eröffnet Perspektiven zwischen Improvisation und Neukomposition von Infrastrukturen. Aufbauend auf den Ergebnissen der Machbarkeitsstudie „Potenziale ganzheitlicher Modelle und Konzepte wohnortnaher Versorgung“ (2014) werden die Komponenten eines „Guten Lebens“ im Hinblick auf eine zukunftsfähige Daseinsvorsorge und die Voraussetzungen für entsprechende soziale Innovationen in ländlichen Räumen erforscht. Übergeordnetes Ziel ist die Entwicklung neuer InfrastrukturNetzModelle und - Konzepte für die Zukunftsfähigkeit ländlicher Räume.

An dem im Januar 2017 gestarteten interdisziplinären Vorhaben sind die Fakultät für Bauingenieurwesen und Geodäsie sowie die Juristische Fakultät beteiligt:

Geodätisches Institut_Fakultät für Bauingenieurwesen und Geodäsie
Abt. Flächen- und Immobilienmanagement

Prof. Dr. Winrich Voß
M.Sc. Jörn Bannert

Institut für Arbeits-, Unternehmens- und Sozialrecht_Juristische Fakultät
Lehrstuhl für Öffentliches Recht, insb. Sozialrecht, Öffentliches Wirtschaftsrecht und Verwaltungswissenschaften

Prof. Dr. Frauke Brosius-Gersdorf
Dipl.-Jur. Bastian Heitmann

Um darüber hinaus auch Transdisziplinarität herzustellen, wurden Kooperationen mit fünf Kommunen im südlichen Niedersachsen (siehe Übersichtskarte) eingegangen. Kooperation heißt in diesem Forschungsprojekt nicht nur Fallbeispiel zu sein, sondern auch Akteurinnen und Akteure vor Ort einzubeziehen und konstruktives und kooperatives Engagement für neue Lösungen einzubringen.

 

Übersicht Kooperationsgemeinden

 

Die Sicherung der Daseinsvorsorge wird in planungsrechtlichen Grundlagen und Instrumenten wie in programmatischen Konzepten von Bund, Ländern und Kommunen als eine Strategie zur Bewältigung des demografischen Wandels sowie der Stabilisierung ländlicher Räume gesehen. Sie gilt als wichtiger Baustein auch der niedersächsischen Raumordnungs- und Regionalpolitik. Über seine „Regionalen Handlungsstrategien“ vermittelt das Land Niedersachsen die große Bedeutung der Sicherung von dauerhaft funktionsfähigen Versorgungseinrichtungen und Mobilitätsangeboten, die u.a. durch interkommunale und transdisziplinäre Kooperationen oder auch durch integrierte Gemeinschaftsprojekte erreicht werden soll. Vor diesem Hintergrund erhalten innovative Projektansätze, die auf eine veränderte Nachfrage besonders im ländlich peripheren Raum und mit veränderten Akteurskonstellationen sowie bedarfsgerechten Angebotspaletten reagieren, auch in Niedersachsen eine wachsende Bedeutung und sollen durch das Projekt vorangebracht werden.

Der Bedarf nach Veränderungen in ländlichen Räumen ist offensichtlich; so lässt zum einen der bauliche Zustand von Daseinsvorsorgeeinrichtungen zu wünschen übrig, daneben zeigt deren (temporärer) Leerstand aufgrund von Unternutzung, verstärkt durch die häufig einseitige Ausrichtung auf wenige Anspruchsgruppen, dass die Kommunen sich in diesem Bereich neu aufstellen müssen. Veränderungen sollten hier im Hinblick auf eine (sozial orientierte) Daseinsvorsorge nicht als „notwendiges Übel“ angesehen werden, sondern als Chancengeberinnen für eine nachhaltige Sicherung der Existenzbedingungen.

Kernthese des Forschungsprojektes ist, dass eine zukunftsfähige Daseinsvorsorge nur unter Berücksichtigung der künftig zu erwartenden Nachfrage und im Zusammenhang mit der Frage nach und Definition eines „Guten Lebens“ (in Anlehnung an Martha Nussbaum 2012) zu entwickeln ist. Ohne soziale Innovation, die sich aus den betroffenen Räumen selbst rekrutiert, scheinen Aufbau und Konsolidierung solcher Netzwerke kaum denkbar.

Das Forschungsziel besteht somit darin, die Komponenten einer „Guten Versorgung“ und „Guten Zusammenarbeit“ (Governance) ebenso wie die Voraussetzungen und Potenziale sozialer Innovation in ländlichen Räumen zu analysieren, um daraus neue Modelle und Konzepte für netzwerkgestützte bzw. netzartige Infrastrukturen zu entwickeln. Der Ansatz des „Guten Lebens“ birgt hierbei besonderes Innovationspotenzial auch im Hinblick auf bestehende kommunale Rahmenbedingungen.

 

Folgende Leitfragen werden bearbeitet:

  • WAS ist für WEN eine angemessene Versorgung? (Das Gute Leben als Funktion aus Zugänglichkeit und Erreichbarkeit)
  • WO liegen Innovationspotenziale? Was lässt sich in welcher Weise, auch im Hinblick auf den Abbau evtl. hemmender rechtlicher Rahmenbedingungen, verändern? (Anknüpfungspunkte Raumbezug/Standort und Ortsidentität, Leitinfrastrukturen)
  • WIE können kontextspezifische Lösungen aussehen (Verortung und Vernetzung) und WIE und MIT WELCHEN MITTELN lassen sie sich umsetzen?