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Digitalisierung und fachliche Erschließung der Graphischen Einzelblätter der Sammlung des Architekten Albrecht Haupt (GESAH)

Mit der Sammlung des Architekten und Hochschullehrers Albrecht Haupt (1852-1932) besitzt die Technische Informationsbibliothek – Leibniz Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften und Universitätsbibliothek Hannover (TIB) eine bedeutende historische Spezialsammlung für Architektur- und Kunstgeschichte. Die Sammlung beinhaltet einen etwa 1.600 Bände umfassenden Buchbestand, in dem die wichtigsten architekturtheoretischen Werke Italiens, Frankreichs, Deutschlands und der Niederlande vom beginnenden 16. bis ins frühe 19. Jahrhundert enthalten sind, zudem ca. 6.000 von Haupt eigenhändig angefertigte architektonische Studienblätter und Reiseskizzen und nicht zuletzt ein Konvolut von Graphischen Einzelblättern unterschiedlicher Urheberschaft und Sujets (insgesamt ca. 6.800 Graphiken auf etwa 5.000 Blättern), die Albrecht Haupt während seiner langen Tätigkeit für Lehr- und Forschungszwecke gesammelt hatte. 

In enger Kooperation mit der TIB widmet sich das von der DFG geförderte Projekt der Erschließung dieses Bestandes für die architektur- und kunstgeschichtliche Forschung. Ziel des Projektes ist es, zunächst den bislang für die überregionale und internationale Forschung schwer zugänglichen Qualitätsbestand der Graphischen Einzelblätter vollständig zu digitalisieren, fachlich zu erschließen und künftig über ein Online-Portal frei zugänglich zu machen, um damit weitere Forschungsimpulse auszulösen. Das Projekt eröffnet so der europäischen Architektur-, Garten-, Stadt- und Kunstgeschichte einen wertvollen, bislang nahezu unbekannten Sammlungsbestand.

Durch die an der Abteilung Bau- und Stadtbaugeschichte angesiedelte Forschungsstelle wird die Teilmenge unikaler Architekturzeichnungen (ca. 900 Blätter) einer fachlichen Tiefenerschließung unterzogen. Dabei handelt es sich um einen sehr heterogenen Bestand aus Zeichnungen des 16. bis 19. Jahrhunderts unterschiedlichster Provenienz und Funktion – von der Entwurfsskizze über die Werkzeichnung bis zum Präsentationsblatt. Da diese Blätter bislang nur sehr unzulänglich erschlossen sind, fanden sie in der Forschung kaum Beachtung. In diesem Zusammenhang werden zudem erstmalig die Sammlungsgenese und Provenienzgeschichte untersucht und damit auch der sammlungsgeschichtliche Kontext und die Intention Haupts bei der Anlage, Nutzung und Nachwirkung der Sammlung näher beleuchtet. 

 

Gesamtprojektleitung:

Prof. Dr. Markus Jager
Bau- und Stadtbaugeschichte, Institut für Geschichte und Theorie der Architektur, Leibniz Universität Hannover (LUH)

Dr. Irina Sens
Technische Informationsbibliothek – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften und Universitätsbibliothek Hannover (TIB)

Projektbearbeitung und -koordination am igt:

PD Dr.-Ing. Simon Paulus
Tel.: 0511/762-5683
Tel.: 0511/762-5377 (Sammlung Haupt, TIB)
E-Mail: s.paulus@igt-arch.uni-hannover.de

 

Gefördert durch

Profane Transformationen von Kirchenbauten seit der Reformation

Der Umgang mit leerstehenden Kirchen hat eine intensive Debatte ausgelöst. Die Zahl der nicht mehr benötigten Kirchenbauten nimmt kontinuierlich zu und zwingt sowohl die Kirchenverantwortlichen wie auch Architekten, Denkmalpfleger und Bauhistoriker zum Nachdenken und Handeln.

Mag diese Entwicklung auf den ersten Blick als ein Phänomen unserer säkularen Gegenwart erscheinen, so handelt es sich tatsächlich um ein sehr altes. Profane Kirchenumnutzungen sind in Europa seit dem 16. Jahrhundert in großer Zahl vorgekommen. Es gab mehrere Säkularisierungswellen, angefangen von den Klosteraufhebungen während der Reformation über die verschiedenen Säkularisationen seit der zweiten Hälfe des 18. Jahrhunderts (Josephinische Reformen, Französische Revolution, Reichsdeputationshauptschluss) bis hin zu den Verweltlichungsprozessen des 20. Jahrhunderts in totalitären aber auch demokratischen Gesellschaften.

Viele Kirchengebäude haben sich trotz ihrer spezifischen Funktion als erstaunlich flexibel erwiesen und im Laufe der Jahrhunderte mitunter sogar mehrere Wandlungen erfahren. Etlichen Kirchen merkt man ihre profane Nutzungsgeschichte heutzutage allerdings kaum an. Denn die Entwicklung des 19. und 20. Jahrhunderts hat dazu geführt, dass viele Kirchen wieder für religiöse Zwecke genutzt oder zumindest in ihrer räumlichen Erscheinung resakralisiert wurden.

Im Rahmen der Gebäudebiographie von Kirchen werden profane Nutzungsperioden häufig übersehen, mitunter auch marginalisiert, zumal Umbauten als Kornspeicher, Mauthalle oder Fabrik als schwer vereinbar mit der sakralen Zweckbestimmung gelten. Oftmals werden diese Transformationen als Phasen der Illegitimität oder des kulturellen Niedergangs bewertet. Eine solche Sicht wird dem Phänomen jedoch nicht gerecht. Zweifelsohne gab es viele Beispiele von Vandalismus und Zerstörungswut. Gleichzeitig gab es in den vergangenen fünf Jahrhunderten auch viele intelligente und pietätvolle Aneignungen leerstehender Kirchen, etwa als Bibliothek, Theater, Museum oder Wohnhaus. Namhafte Architekten wie Th. Fischer, C. W. Hase, G. L. F. Laves, K. F. Schinkel, A. Vagedes und F. Weinbrenner haben sich dabei hervorgetan.

Mit diesem Phänomen befasst sich das Projekt. Es fragt nach dem kreativen Potenzial profaner Umnutzungen und unternimmt den Versuch, die lange Geschichte profaner Kirchenumbauten nicht allein als Geschichte von Zerstörungen, sondern auch als einen Prozess kreativer Aneignung zu würdigen.

Eine neu entdeckte Eisenbrücke von G.L.F. Laves im Gutspark Salzau (Holstein)

Im Gutspark Salzau befindet sich eine historische Eisenbrücke, die von Prof. Jager als ein Werk des Hannoverschen Hofbaumeisters G.L.F. Laves (1788-1864) identifiziert wurde. Die Existenz dieser Brücke war der Laves-Forschung bislang entgangen. Errichtet wurde die Brücke im Jahre 1838. Unter den zahlreichen Eisenbrücken, die Laves nach einem von ihm selbst entwickelten System realisierte (sog. Laves-Träger), zählt die Brücke in Salzau zu den frühesten Beispielen. Heute sind nur wenige Eisenbrücken von Laves erhalten, die meisten befinden sich in Hannover und Umgebung. Im Unterschied zu den anderen erhaltenen Laves-Brücken wurde die Brücke in Salzau noch nie bauhistorisch untersucht oder denkmalgerecht ertüchtigt. Daher kommt ihr im Brücke-Œuvre von Laves eine besondere Bedeutung zu.

Der Überlieferungszustand der Brücke konnte im Rahmen einer Lehrveranstaltung im Sommersemester 2019 mit zehn Architekturstudierenden der Leibniz Universität Hannover unter der Leitung von Dipl.-Ing. Charlotte Hopf untersucht und dokumentiert werden. Die gemeinsam erarbeitete Bestandsdokumentation beinhaltet ein verformungsgerechtes Aufmaß mit einem 3D-Laserscanner, die anschließende Übersetzung der gescannten Daten in Grundriss-, Schnitt- und Ansichtszeichnungen sowie eine Fotodokumentation. Darüber hinaus erstellten die Studierenden Zeichnungen der relevanten Details im Maßstab 1:1 und dokumentierten die von Laves verwendeten Fügeprinzipien und ihre Wirkungsweise.

Auf Grundlage der Bestandsdokumentation wurde eine Handlungsempfehlung für eine denkmalgerechte Instandsetzung entwickelt. Neben dem Umgang mit der historischen Brückenkonstruktion und der Ertüchtigung der Auflagerbereichen an den Ufern erstreckt sie sich auch auf die nicht erhaltenen Teile der Brücke und widmet sich den Möglichkeiten, das fehlende Geländer und den Belag zu ersetzen. Ziel ist es, die Brücke, die im Juni 2019 unter Leitung von Kunstschmiedemeister Kurt Lange geborgen wurde, wieder am ursprünglichen Standort zu nutzen. Für die Umsetzung, die in enger fachlicher Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein (Dr.-Ing. Margita M. Meyer) erfolgt, bedarf es noch Fördermittel, um dieses herausragende Zeugnis der Ingenieurbaukunst denkmalgerecht ertüchtigen zu können.

 

abgeschlossene Projekte

Conrad Wilhelm Hase (1818-1902). Kolloquium und Tagungsband

Im Oktober 2018 jährte sich der Geburtstag von Conrad Wilhelm Hase zum 200. Mal. Anlass genug, um das Werk des Architekten, Hochschullehrers, Konsistorialbaumeisters und Denkmalpflegers im Rahmen eines Kolloquiums zu vergegenwärtigen.

Hase zählt zu den einflussreichsten deutschen Architekten der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Mit dem Museum für Kunst und Wissenschaft (Künstlerhaus) und der Christuskirche errichtete er in Hannover zwei bedeutende Programmbauten des Historismus. Die Christuskirche gilt zudem als frühes Muster für das von Hase mitformulierte "Eisenacher Regulativ" für den evangelischen Kirchenbau. Als Konsistorialbaumeister prägte Hase die niedersächsische Kirchenarchitektur wie kein Zweiter, sowohl bei Neubauprojekten als auch im konservatorischen Umgang mit historischen Bauten. Mit der Marienburg entwarf er für die Welfen ein Fürstenschloss, das den neugotischen Residenzen der Hohenzollern und Wittelsbacher keineswegs nachstand. Darüber hinaus war Hase über vier Jahrzehnte als Hochschullehrer tätig und prägte mehrere Generationen von Architekten.

Der Tagungsband dokumentiert die Beiträge der Konferenz anlässlich des 200. Geburtstags von Hase und ist im Oktober 2019 erschienen.

Zur Verlagsankündigung

Gefördert durch die Klosterkammer Hannover, die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Hannover, das Historische Museum Hannover und die Freunde der Architektur an der Leibniz Universität Hannover e.V.

Großstadt gestalten. Die Stadtbaumeister-Trilogie

Kooperation mit der TU-Dortmund und dem

Deutschen Institut für Stadtbaukunst 2018 - 2014

In vielen Großstädten ist das frühe 20. Jahrhundert mit den Namen bekannter Stadtbaumeister verbunden, die das Stadtbild entscheidend geprägt haben und ihrerseits zu herausragenden Personen der jeweiligen Stadtgeschichte geworden sind. Die Trilogie „Großstadt gestalten“ widmet sich dem Werk dieser Stadtbaumeister in regionaler, nationaler und internationaler Perspektive. Namhafte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellen dieses Werk in historischen Untersuchungen vor. Im Anschluss diskutieren die heutigen Stadtbaumeister dieser Städte die Frage, welche Anregungen aktuell aus dem Wirken der Stadtbaumeister des frühen 20. Jahrhunderts gezogen werden können.

Großstadt gestalten. Stadtbaumeister in Deutschland
Zur Verlagsankündigung 

Großstadt gestalten. Stadtbaumeister an Rhein und Ruhr
Zur Verlagsankündigung

Großstadt gestalten. Stadtbaumeister in Europa
Zur Verlagsankündigung

Schlösser, Herrenhäuser und Gutsanlagen in Berlin

Das in Kooperation mit dem Landesdenkmalamt Berlin durchgeführte Projekt dokumentiert erstmals den gesamten Bestand an Schlössern, Herrenhäusern und Gutsanlagen in Berlin. Dazu gehören sowohl die großen Schloss- und Parkkomplexe der Hohenzollern wie Charlottenburg, Bellevue oder Köpenick als auch die bekannten Herrensitze des Adels und des Bürgertums wie Steglitz, Tegel oder Mahlsdorf sowie weitläufige Gutsanlagen wie diejenigen in Dahlem, Britz oder Buch. Keine andere Stadt in Deutschland verfügt in ihrem Weichbild über einen vergleichbar umfangreichen Bestand an Denkmalen dieser Gattung.

Im Ergebnis des mehrjährigen Forschungsprojektes wurden neben den erhaltenen Denkmälern auch die nicht mehr existenten Bauten und Anlagen dokumentiert, die es in der Großstadt Berlin in überraschend hoher Zahl gab. Darüber hinaus wurden alle bestehenden Anlagen in ihrem aktuellen Zustand dokumentiert sowie in ihrer bau- und gartengeschichtlichen Bedeutung gewürdigt. Die Ergebnisse wurden als Gattungsinventar des Landesdenkmalamtes Berlin publiziert. 

Markus Jager, Frank Schmitz und Michael Zajonz (Bearb.): Schlösser, Herrenhäuser und Gutsanlagen in Berlin, (= Beiträge zur Denkmalpflege in Berlin 46), Nicolai Verlag, Berlin, 2016 

544 Seiten, 683 Abbildungen, 24 x 30 cm Hardcover, 49,95€, ISBN 978-3-89479-979-3