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Architektursoziologie II (SchauSpiel des Lebens – Stadien und Arenen als Spielfelder und Kampfbahnen)

 

Inhalt und Lernziele

Stadien sind Stätten des Sports, traditionell nach außen abgeschlossene Architekturen, die mit ihrem räumlichen Umfeld wenig Beziehung aufnehmen. Sie sind aber auch Beispiele für Architekturen, die als Leerräume unzugängliche Bereiche im Stadtraum bilden und erst zum Zeitpunkt des sportlichen Ereignisses für die Stadtgesellschaft zugänglich sind. Und erst mit der vollständigen Besetzung durch die Füllmasse „Mensch“ zu einem baulich- und sozialräumlichen Ganzen werden. In diesem – eher seltenen Fall – offenbaren sie sich auch als „Attraktoren“, die weit ins Stadtgebiet und über dieses hinaus ausstrahlen: Die Prozesse, die sich vor dem Betreten eines Stadions bis zum Beginn des Spiels und danach im Zuge der völligen Entleerung vollziehen, können für diejenigen, die daran teilhaben, selbst Teil des Erlebnisses werden, für andere auch zu unangenehmen Begleiterscheinungen eines immer wieder kehrenden, aber vorübergehenden Phänomens führen (An- und Abreise der Fans, Massenbildung etc.). Die Atmosphäre um die Bildung der Massen im Vorfeld und deren Rückbildung kann den Stadtraum selbst zum Stadion machen. Stadien können deshalb – trotz ihrer häufig abgeschlossenen Architektursprache – im sozialräumlichen Kontext – nicht autonom gedacht werden. Im Zuge der Medialisierung und Kommerzialisierung der Sportereignisse und der damit einhergehenden Fremdsteuerung des Massenerlebens, wie es z.B. im Zuge der Fußball-WM 2006 in Deutschland beobachtet werden konnte, hat das Konsequenzen: Einerseits erlebt der Stadienbau international ein nie gekanntes Ausmaß an Aufmerksamkeit, andererseits stellen sich in diesem Zusammenhang Fragen nach einer nachhaltigen Nutzung dieser Architekturen. Eine Antwort darauf sind Stadien, die mit Mehrfach- und Dauernutzung wie Wohnen, Einzelhandel oder auch Verwaltung kombiniert werden. Das kann neue Chancen für den sozialen Stadtraum eröffnen, verändert aber auch den bisher exklusiven Stellenwert des Stadions; die Besonderheit der zeitlichen Rhythmen, die den wesentlichen und einzigartigen Charakter eines Stadions ausmachen, können mit Mehrfachnutzungen verloren gehen, was bei verantwortlichen Verbänden auch auf Kritik stößt. Andere Konzepte favorisieren deshalb das temporäre Stadion, ein Architekturphänomen, das aufgrund der überschaubaren Konsequenzen und geringen Kosten aber bereits Schule macht.

Die Lehrveranstaltung verfolgt das Ziel, Stadionarchitektur in ihrer vielfältigen Dimension als Phänomen aufzuarbeiten, um es zu verstehen und nachzuvollziehen bzw. künftige Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen zu können. Anhand von Literaturarbeiten und empirischen Analysen sollen die Stärken und Schwächen und damit die Potenziale und Risiken für Stadt und Gesellschaft im Sinne einer nachhaltigen Nutzung herausgearbeitet werden.

Die theoretische Auseinandersetzung soll mit Exkursionen und einem Stadionbesuch (anlässlich der Frauen-Fußball WM 2011) unterstützt werden und sollen zu einer Beurteilung des Massenphänomens und zu fundierten Aussagen für die künftige Entwicklung der Stadionarchitektur führen: Gehört dem Stadion als abgeschlossener Stadtraum für das absolute Sporterlebnis die Zukunft, oder wird es nur als multifunktionaler Stadtbaustein überleben können? Können temporäre Stadion-Architekturen zu nachhaltigen Lösungen führen? Die Ausarbeitungen können auf Wunsch zur Grundlage werden für die konzeptionelle Weiterbearbeitung im kommenden Wintersemester.

 

Studiengang

B.Sc. Diplom / Architektur

Lehrmethode

Seminar

Studienleistungen

Regelmäßige Teilnahme, Einzelreferate zum Thema,                  (Zwischen-)Präsentationen, Ausarbeitung, Ausstellung, Einzel-  und Gruppenkorrekturen

Termin

Do. 10 - 13 Uhr

Erster Termin

Do. 07.04.2011

Veranstaltungsort

Herrenhäuser Str. 8, Raum C030

Lehrpersonen

Zibell / Bloem