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Der Wiederaufbau des Berliner Domes

Der Wiederaufbau des 1899 - 1905 errichteten und im Zweiten Weltkrieg beschädigten Berliner Domes begann 1975 im Rahmen des Sonderbauprogramms Kirche unter dem Titel „Investitionsvorhaben Äußere Gestaltung des Berliner Doms“. Der Staat übernahm die Rolle des Bauherrn, zukünftiger Nutzer war die Kirche in Form der Domgemeinde und anderer Institutionen. Die Finanzierung des Vorhabens erfolgte wesentlich durch die Evangelische Kirche Deutschlands – also durch die Westkirche. Die Wiederaufbauphase war somit geprägt von der Notwendigkeit, die oft divergierenden Vorstellungen des atheistischen, sozialistischen Staates und der evangelischen Kirche als Nutzer und Geldgeber miteinander zu verbinden. Den ersten Bauabschnitt des Wiederaufbaus bildete 1975 die Sprengung der Denkmalskirche, dem nördlichen Gebäudeteil, der dem Gedenken an das Hohenzollerngeschlecht gedient hatte. Die übrigen Gebäudeteile wurden in den darauf folgenden dreißig Jahren auf der Grundlage sich wandelnder Herangehensweisen beim Umgang mit historischer Bausubstanz restauriert und teilweise rekonstruiert. Die Wiedereröffnung des Berliner Domes fand im Juni 1993, unter vollkommen veränderten politischen und sozialen Bedingungen, statt. Heute ist der Berliner Dom mit über 750.000 Besuchern im Jahr eines der am meisten besuchten Gebäude in Berlin.

Gegenstand der geplanten Forschungsarbeit ist es, zunächst die wechselnden Rahmenbedingungen und Zielstellungen des Umgangs mit dem Berliner Dom seit seiner Beschädigung im Zweiten Weltkrieg darzustellen. Sie waren nicht allein von fachlichen Erwägungen, sondern auch in hohem Maße von gesellschaftlichen und politischen Faktoren geprägt. Darauf aufbauend soll untersucht werden, in wie fern diese theoretischen und praktischen Bedingungen auf die Baugestalt gewirkt haben und am heutigen Gebäude ablesbar sind. Umgekehrt soll ebenfalls untersucht werden, ob und wie die bestehende Baugestalt Auswirkungen auf den theoretischen Diskurs und die praktischen Überlegungen hatte. Das besondere Interesse gilt hierbei dem Umgang mit dem Bauprogramm der Kaiserzeit in der Wiederaufbauphase und dem damit verbundenen Bedeutungswandel des Domes.