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Forschungsprojekt

Internationaler Arbeitskreis (IAK) „Gender in Spatial Development – Perspectives, Similarities and Differences”

 

Leitung: Barbara Zibell
Geschäftsführung: Katja Stock
Geschäftsstelle ARL: Evelyn Gustedt
Homepage ARL
Laufzeit: 2014-2018

 

Thema

Der Nachhaltigkeitsdiskurs wird durch zwei normative Basiselemente geprägt: das Gerechtigkeitsgebot (intragenerational wie intergenerational) und das Integrationsgebot. Als unumstritten wird vorausgesetzt, dass Gerechtigkeit zwischen Frauen und Männern resp. die Gleichwertigkeit von bezahlter und unbezahlter Arbeit, d.h. symmetrische Geschlechterverhältnisse im Hinblick auf Optionsvielfalt in der Verwirklichung von Lebensentwürfen, eine Grundvoraussetzung für nachhaltige Entwicklung ist.

Unterstützt wird dieses Element der Nachhaltigkeitsdiskussion seit 1997 durch den Amsterdamer Vertrag, der die Gemeinschaft u.a. auffordert, „(…) darauf hinzuwirken, Ungleichheiten zu beseitigen und die Gleichstellung von Männern und Frauen zu fördern“ (Art. 3 Abs. 2 AV). Die hierauf beruhende europäische Politik des Gender Mainstreaming ist mittlerweile in allen Mitgliedsländern eingeführt, jedoch – auch in der Fachwelt räumlicher Entwicklung und Forschung – noch nicht zum selbstverständlichen und integralen Bestandteil planerischer Praxis und wissenschaftlicher Reflexion geworden.

Zielsetzung

Diese Grundgedanken führten zu der für den IAK maßgeblichen Fragestellung: „Wie wirkt sich die Anerkennung der Genderrelevanz in der Organisation und Struktur der Planung von Raumnutzung und -aneignung in unterschiedlichen europäischen Kulturen aus?“

Entlang dieser Fragestellung will der IAK einen theoretisch basierten, konzeptionellen Untersuchungsrahmen vorlegen, darauf aufbauend eine gender-orientierte Bestandsaufnahme im Hinblick auf spezifische Lenkungs-/ Steuerungsmuster von Raumnutzung/-aneignung sowie Raumplanung/-entwicklung in den vertretenen europäischen Staaten herausarbeiten, um auf der so geschaffenen Grundlage Unterschiede und Defizite sowie weiterführende Forschungsfragen zu identifizieren.

Inhalt

Der Untersuchungsrahmen geht aus von einem gedanklichen Dreischritt, der die verschiedenen Implementationsstufen/-intensitäten von «Gender in spatial development» von Transfer über Integration bis Implementation umfasst. Dabei meint:

  •  Transfer
    Warum und wie kann ein gender-sensitives Vorhaben / Vorgehen überhaupt gestartet, wie und unter welchen Bedingungen umgesetzt werden?
  • Integration
    Wie und unter welchen Bedingungen können gender-sensitive Vorhaben in bestehenden Strukturen (planender Verwaltung) verankert werden?
  • Implementation
    Welche (strukturellen) Rahmenbedingungen sind Voraussetzung, dass gender-sensitive Vorhaben und Verfahren als selbstverständlicher Bestandteil auf Dauer in die räumliche Entwicklung (eines Gemeinwesens) integriert werden?


Der so konzipierte Forschungsrahmen, illustriert in Form eines Dreiecks (s. Abb. 1), liegt der Analyse und Diskussion der Bedingungen einer nachhaltigen und gender-sensitiven Raumentwicklung mit ihren Prozessen, Produkten und (institutionellen) Strukturen im Hinblick auf die jeweiligen Aktivitäten (von Transfer über Integration bis Implementation und Evaluation) zugrunde und bildet die Grundlage für die Konzeption der zentralen Kapitel in der geplanten Publikation.

Abb. 1: Forschungsrahmen; Diagramm von Zibell, Dahms, Karacsony (2006), bearb.

Wegleitend sind die nachstehend aufgeführten Fragen:

  • Welche Konzepte sind relevant bei einer gender-sensitiven Umsetzung räumlicher Planung und Entwicklung (von Transfer über Integration bis Implementation und/oder Evaluation)?
  • Wie werden die Konzepte eingebracht und verhandelt?
  • Wie lassen sich die Ansätze in der Praxis effektiver anwenden, um eine breitere Rezeption in Planungstheorie und -praxis zu erreichen?


Wichtige Diskussionen betrafen und betreffen die Verwendung von Begriffen und Konzepten zwischen Gender (Mainstreaming) und Gender Planning, gebautem und sozialem Raum sowie den Implikationen der Nachhaltigkeit für eine gendergerechte Raumentwicklung, die in das gemeinsame und diskursübergreifende theoretisch-reflektierende Fundament einfließen. Auf Grundlage einer Übersicht über die verschiedenen nationalen Rahmenbedingungen entsteht ein Vergleich über rechtliche, organisatorische und kulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den beteiligten Ländern. Fünf Teilgruppen arbeiten derzeit an ausgewählten Fragestellungen, die auf dieser Basis herauskristallisiert wurden und länderübergreifend von Interesse sind. Ein weiterer Beitrag widmet sich der kritischen Reflektion von Vereinfachungen und Stereotypisierungen bei der Anwendung von Gender Konzepten in der Praxis räumlicher Entwicklung und dient der Feststellung des State of the Art der beteiligten Länder im europäischen Raum.

Arbeitsweise und Bausteine

Die Mitglieder des Arbeitskreises, im Sinne der Akademie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einerseits sowie Planungsfachleute andererseits, die über einen call for membership rekrutiert wurden, repräsentieren neun europäische Länder: Deutschland, Österreich, Schweiz, Finnland, Großbritannien, Niederlande, Frankreich, Spanien und Griechenland. Neben den elf beteiligten Hochschulen sind die Stadt Wien mit ihren langjährigen Erfahrungen in der genderorientierten Stadtentwicklung und Planungsbüros aus Österreich und den Niederlanden mit inter- und transnationaler Forschungskompetenz in raumbezogenen Genderfragen vertreten.

Die Mitglieder kommen ein bis zwei Mal jährlich an wechselnden Standorten in den beteiligten Mitgliedsländern zusammen. Die Arbeitsweise ist durch offene Diskussionen und kollektive Lernprozesse sowie durch die Arbeit an konkreten thematischen Beiträgen in länderübergreifenden Gruppen gekennzeichnet. Bisher fanden fünf Treffen zu folgenden Themenschwerpunkten statt.

1. 09. - 10. Oktober 2014, Hannover

  • Ziel: gegenseitiges Kennenlernen
  • Findungsphase: mögliche Forschungsthemen und -ziele, erwartete Resultate
  • Externer Input von Sara Reimann (ARL) zum Thema “Comparing systems of local land-use planning in Europe. An analysis of potentials and limits of research methodologies and academic discourses”



2. 27. - 28. April 2015, Luzern

  • Persönliche Zugänge zum Thema des IAK
  • Der nationale Blickwinkel: Gender in Spatial Development in den im IAK vertretenen Ländern
  • Eingrenzung der Arbeitsziele und -produkte: Entscheidung für eine Publikation als Produkt des Arbeitskreises
  • Externer Input von Beatrice Durrer (Hochschule Luzern - Soziale Arbeit) zum Thema „Gender competence in Swiss regional policy and regional development”


3. 19. - 20. November 2015, Wien

 

  • Vorarbeit für die Publikation: Adressatinnen und Adressaten, Struktur und Aufbau
  • Ideensammlung / Brainstorming für transnationale thematische Kapitel
  • Exkursion Seestadt Aspern


4. 19. - 20. September 2016, Dortmund

  • Exkursion Dortmund PHOENIXSEE
  • Buchstruktur und Publikationsmodalitäten
  • Vorstellung und Diskussion der Kapitelentwürfe
  • Sammlung offener Fragen


5. 06. - 07. April 2017, Berlin

  • Diskussion der ausdifferenzierten Kapitelentwürfe
  • Ausdifferenzierung der Kapitelinhalte und Buchstruktur
  • Klärung der Publikationskonditionen
  • Externer Input von Christiane Droste (UrbanPlus) zu Thema „Gender consultancy in housing and spatial development in Berlin and elsewhere - Potentials and barriers”
  • Exkursion Genderplanung in Berlin


6. 09. - 10. November 2017, Wien

7. 13. - 14. Juni 2018, Hannover

Output

Durch Mitwirkung an den Sitzungen und durch ihre Schriftbeiträge erweitern die Mitglieder nicht nur die wissenschaftliche Erkenntnis zum Thema, sondern verhelfen durch den transnationalen Erfahrungsaustausch auch zu neuen Einsichten in nationale Besonderheiten und internationale Gemeinsamkeiten.

Die Ergebnisse aus der Arbeit sollen in einer Buchpublikation zusammenfließen. Positionspapiere und Artikel in Fachzeitschriften tragen zur weiteren Verbreitung der gewonnenen Erkenntnisse bei.