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Wettbewerb „Neues Leben am Lindener Hafen“ - Wie findet Inklusion in Hannover statt?

1. Platz: „Productive Community“
1. Platz: „Productive Community“
Preisverleihung: v.l.n.r.: C. Lenssen, S. Helgert, A. Schwager, S. Rietentiet, L. Schwuchow und P. Gesenhues
Jurysitzung: v.l.n.r.: C. Lenssen, K. Stock, B. Zibell, A. Schmidt-Kirsch, M. Koch und C. Kleine

Im Rahmen einer Projektarbeit beschäftigten sich 20 Studierende der Fakultät Architektur und Landschaft im Wintersemester 2017/18 mit der Entwicklung eines neuen inklusiven Raumkonzepts für eine Tagesförderstätte der Stiftung Lebenshilfe Hannover. Den Abschluss bildete ein von der Lebenshilfe ausgelobter Wettbewerb.

Betreut von der Abt. Planungs- und Architektursoziologie, Prof. Barbara Zibell, sowie der Abt. Tragwerke, Prof. Alexander Furche, entstanden elf buntgemischte Entwürfe, die sich zweierlei Ansprüchen stellen mussten:

- auf der einen Seite den räumlichen Konzept und Prozessdesign für die Etablierung von Inklusion am neuen Standort und für die Arbeit der Lebenshilfe,

- auf der anderen Seite dem sensiblen Umgang mit dem Bestandsgebäude zwischen zwei Stadtteilen in einem Gewerbegebiet.

Durch Unterstützung von Christine Lenssen, der Geschäftsführerin der Lebenshilfe Hannover, und ihren engagierten Mitarbeiterinnen, Angelika Schwager – Projektleiterin Aktionsplan, Stephanie Helgert – pädagogische Leiterin, Birgit Jaster, Stefanie Neuhaus und Grazyna Rzepkowska, erhielten die Studierenden tiefe Einblicke in die Anforderungen und Möglichkeiten von inklusiven Arbeitsstätten. Durch umfangreiche Kontext- und Akteursanalysen im Bestand und am neuen Standort konnten wichtige Anknüpfungspunkte für die jeweiligen Entwürfe gefunden werden.

Nach intensiver Vorprüfung durch die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der beiden Abteilungen, Lisa Kietzke und Katja Stock sowie Martin Kersting und Christoph Rüther, tagte die Jury am 7. März, um zu einem gemeinsamen Urteil zu kommen.

Die Fachpreisrichter:

  • Prof. Carl Herwarth von Bittenfeld - Institut für Entwerfen und Städtebau, Abt. Stadt- und Raumentwicklung
  • Prof. Albert Schmid-Kirsch - Institut für Gestaltung und Darstellung, Abt. Architekturdarstellung
  • Christian Kleine – Architekt BDA
  • Günter Lüerssen – Architekt BDA    


Die Sachpreisrichterin und Sachpreisrichter:

  • Christine Lenssen – Geschäftsführerin der Lebenshilfe
  • Thomas Hermann – Bürgermeister der Stadt Hannover
  • Michael Koch – Architekt BDB & Städtebau-Assessor BV

    
1. Platz „Productive Community“ - Eine produktive Gemeinschaft für eine inklusive Stadt von Lisa-Marie Schwuchow, Pia Gesenhues und Sarah Rietentiet. Das stringente, einfach zu erfassende Konzept wirkt schlicht, aber genau darin liegt die Qualität für die Beschäftigten und andere Nutzungsgruppen. Das Prozessdesign stellt die Bedeutung der notwendigen „externen“ Akteure und deren Zusammenspiel mit den Beschäftigten in den Vordergrund und beschreibt mögliche Schritte, um eine tatsächliche Aktivierung des Standortes zu erreichen. Dabei gibt es auch Hilfestellungen bei möglichen schwierigen Punkten, falls das Konzept nicht wie gewünscht aufgehen sollte. Die baulich-räumlichen Antworten auf die komplexe Fragestellung waren angemessen und von beachtlicher Qualität.

2. Platz „Alles im Blick“ von Florian Freitag und Thorsten Schmidt. Der Entwurf sieht ein großzügiges Atrium im Kern des Bestandsgebäudes vor, das vielseitige Blickbeziehungen ermöglicht und einzelnen Arbeitsbereiche über Geschosse hinweg sichtbar macht.

3. Platz „Workshop Reales Raumlabor“ von Benjamin Grudzinski und Sarah Nicola. Hier wird die inklusive Arbeitsstätte nicht in, sondern neben dem Bestandsgebäude erschaffen, um den Bezug einer Tagesförderstätte zur Stadtgesellschaft in realen Situationen zu erforschen und immer wieder neu umzusetzen.

Eine Anerkennung vergab die Jury an den Entwurf „Haus der Vielfalt“ von Nina Janshen und Katharina Scheer, bei dem neben einer starken Gliederung des Gebäudes durch feste Nutzungszonen auch Platz für flexible Raumgestaltung und Spielräume bleibt.

Eine weitere Anerkennung erhielt der Entwurf „Auf einem Level“ von Jasmin Krupski und Stephanie Hesse. Durch eine bauliche Vergrößerung entsteht ein Bürohaus, in dem 250 Personen Platz finden. Start-Ups, Kreative und ca. 65 Beschäftigte der Lebenshilfe können hier individuelle Arbeitsplätze einrichten und auf Augenhöhe kooperativ arbeiten.

Insgesamt überraschten viele Entwürfe durch ungewöhnliche Lösungsvorschläge und eine besondere inhaltliche Tiefe und individuelle Haltung zur Bauaufgabe. Hier macht sich das Lehrkonzept mit dem flankierenden Begleitseminar bemerkbar. Es diente den Studierenden zur Vertiefung der eigenen thematischen Schwerpunkte im Entwurf. Die Kooperationen innerhalb und außerhalb der Fakultät zwischen den beiden Abteilungen und der Lebenshilfe ermöglichten eine praxis- und lösungsorientiere Lehre über die Grenzen der jeweiligen Fachrichtung hinaus. Werden die Erkenntnisse später von den Studierenden ins Berufsleben hineingetragen, wird uns das in Richtung einer Inklusiven Gesellschaft sicher einen Schritt nach vorne bringen.