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Zauberformel Quartier?

Das Quartier und der öffentliche Raum gehören zu den „Zauberformeln“ im Diskurs von Architektur und Stadtplanung. Der Quartiersbegriff  ist inzwischen zu einem Disziplinen übergreifenden Leitbegriff aufgestiegen: Im Bedeutungsspektrum vom identitätsstiftenden Lebensraum der Bewohnerschaft über den städtebaulichen Handlungs- und Gestaltungsraum bis zum fußläufig erreichbaren Infrastrukturnetz bleibt der Begriff aber unscharf und hat teilweise den Charakter einer „Black Box“ – d.h. eines inflationär benutzten Begriffes, dessen Bedeutung nicht transparent ist.
Handelt es sich also um einen äußerlichen Marketingbegriff, der als Etikett an jedes (neu) bebaute Areal geheftet, und einen inhaltsleeren Allroundbegriff, in den jedes neue Thema reingepackt werden kann, oder gibt es einen gehaltvollen Kern, der Qualitätsmerkmale von Architektur und Stadtplanung transportiert? Was ist zum Beispiel der Unterschied zwischen dem Wohnquartier und dem Stadtquartier?

In der Mitte des 20. Jahrhunderts war die „gegliederte und aufgelockerte Stadt“ ein Thema (Göderitz, Rainer & Hoffmann 1957), um überschaubare und erlebbare Einheiten zu schaffen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auch die „Nachbarschaftseinheit“ als Gliederungsprinzip aus den USA propagiert, die in den USA die Einheit um eine Grundschule herum darstellt (Perry 1929). Wegen des zugrundeliegenden romantischen Gemeinschaftsgedankens wurde die Bezeichnung aber im Laufe der 1960er Jahre als Leitgedanke im Städtebau verworfen. Stattdessen fand wieder eine Orientierung an bezirklichen Gliederungsmustern wie dem „Viertel“ – als Teil der Stadt als Ganzes – (z.B. das „Märkische Viertel“ in Berlin) oder am geographischen „Gebiets“-Begriff („Wohngebiet“) statt. Seit Beginn der 1990er Jahre verbreitet sich der „Quartiers“- Begriff im Fachdiskurs vor allem über Programme im experimentellen Wohnungs- und Städtebau (ExWoSt) der Bauministerien des Bundes (z.B. 1988-1993: Ältere Menschen im Wohnquartier; 2005-2009 altengerechte Stadtquartiere; 2012-2013: Jugendliche im Stadtquartier; 2011-2015: Integration im Quartier).

Inhalt und Lernziele

Im Seminar soll der unscharfe und informelle Quartiersbegriff für Architektur und Stadtplanung differenziert und operationalisiert werden. Dazu wird einerseits einschlägige Fachliteratur – im Rahmen von Textanalysen – ausgewertet. Obwohl der Quartiersbegriff in den meisten Publikationen der Architektur und Stadtplanung nicht explizit vorkommt, lassen sich Qualitätsmerkmale für die verschiedenen Ebenen des Quartiers als relevante Untereinheit der Stadt ermitteln. Andererseits sollen die Kriterien in ausgewählten Wohn- und Stadtquartieren von Hannover – im Rahmen von Quartiersspaziergängen – vor Ort reflektiert werden. Damit wird im Seminar das Ziel verfolgt herauszuarbeiten, was Architektur und Stadtplanung grundlegend zur Quartiersqualität auf allen Ebenen (nicht nur auf der gestalterischen) beitragen.

 

Studiengang

B.Sc. Architektur, M.Sc. Architektur und Städtebau

Termin

Blockseminar 07.05., 14.05., 04.06. & 11.06. 9 - 14 Uhr

Erster Termin

Mo. 23.04.2018

Veranstaltungsort

Herrenhäuser Str. 8, Hörsaal C007

Lehrpersonen

Schubert